Alles zu seiner Zeit

 

Einführung

“Ziehen sie sich warm an, heute gibt es den ersten Nachtfrost!”  ließ der Radiosprecher eines bekannten Senders aus unseren Landen mit negativer Betonung verkünden. Ja ja ich weiß, jetzt geht’s wieder los. Scheiben kratzen, Winterreifen aufziehen und den ganzen Tag übers Wetter schimpfen.  Für mich bzw. für jeden überzeugten Raubfischangler  ist diese Nachricht alles andere als negativ. Man kann sogar sagen, dass wir die ganze Saison lang mit großer Sehnsucht , und das besonders im Sommer, auf diese Verkündung gewartet haben. In diesem Jahr wurde die Vorfreude für mich mit der Gewissheit, dass ich ein vielversprechendes Gewässer  nach langer ge- und ungewollter Unterbrechung  endlich wieder  beangeln würde, gesteigert.

 

Zum Gewässer

Ein kleiner Kanal zieht sich völlig unscheinbar ganz in meiner Nähe durchs Land und lässt jedes Anglerherz schon beim Anblick höher schlagen. Ich weiß noch, dass ich früher öfters mal planlos mit der Jerke versucht habe, einen schönen Hecht von den gängigsten Stellen, die vom Ufer aus zu befischen waren, ans  Band zu bekommen. Leider sind dabei nicht nur der ein oder andere Schniepel, sondern auch jede Menge Schneidertage heraus gekommen! Und jedes Mal beim Verlassen des Gewässers nach einer wiederholten Schlappe,  hab ich mir innerlich, aber mit äußerlichem Kopfschütteln gesagt, da muss doch was Gehen, das kann doch nicht alles sein. Zum Anfang der Saison 09 sollten jetzt Nägel mit Köpfen gemacht und ein ernsthafter anglerischer Einstieg an diesem Gewässer gestartet werden. Und das mit guten Erfolg. Mit der richtigen Taktik und dem Einsatz eines kleinen und flexiblen Schlauchbootes konnte ich auch die vielversprechenden Stellen beangeln, die “dank” des Bewuchses vom Ufer nicht zu erreichen waren. Ganz besonders sind mir dabei Bereiche aufgefallen, in denen sich der Fisch im Vergleich zu den anderen Stellen, förmlich stapelte. 

 

 

Der richtige Zeitpunkt

Einziger Nachteil, oder besser gesagt ein großer Vorteil an diesem Gewässer ist der jährliche stark voranschreitende Bewuchs von Wasserpflanzen, die ein sinnvolles Angeln schon ab Anfang Juni für unmöglich machten.  Von daher gibt es keine Möglichkeit, dem Zielfisch Nummer eins ab diesem Zeitpunkt nachzustellen. Das Gute daran ist, dass dies nicht nur auf mich zutrifft, sondern auf jeden anderen Angler auch. Noch besser ist , das die Stellen, die sich als Hot-Spots herausgestellt haben, sowieso unter keinem anglerischen Druck liegen bzw. von keinem anderen angestrebt würden.

Jetzt heißt es warten, warten auf den Herbst mit der abnehmenden Sonne und den sinkenden Temperaturen. Der Pflanzenbewuchs wird mit der Zeit abnehmen, die Hot-Spots mit der Zeit wieder zum Beangeln frei . Die Fische haben seit Juni keine negativen Erfahrungen mit irgendwelchen Kunstködern gemacht und ohne Verdacht, an einem guten Beißtag, als gebe es kein Morgen auf diese einsteigen. Die Seerosen haben sich zwar von der Wasseroberfläche zurückgezogen, werden aber mit ihren großen Blättern,  die sich unter Wasser noch gehalten haben, einen guten Schutz für jeden Räuber bieten. Jetzt sollte man nur noch den richtigen Zeitpunkt ,um eine möglichst große Fangausbeute zu erzielen, abwarten. Und da kommt eine Ansage wie “Ziehen sie sich warm an, heute gibt es den ersten Nachtfrost!” eines verbitterten Radiomoderators wie gerufen.

 

Die richtigen Köder

An so einem Tag sollte man sich schon auf sich selbst und sein Equipment verlassen können. Es sollten nur Bait`s eingepackt werden, mit denen man sich zu 100% auskennt und in jeder erdenklichen Situation fischen kann. Das heißt, keine Experimente, die einen nur bei zeitweiliger Beißflaute verunsichern würden. Wichtig ist , das die Köder zu der jeweiligen Gewässersituation passen . Für mich heißt das “So flach wie möglich, schön viel Flanke zeigen, damit die Hechte, die sich weiter unten im Gestrüpp verstecken, einen Anreiz haben, provozierend, und da wir Herbst haben, soll es noch ein schöner Hechthappen sein.

 

Der Tag

Endlich war es soweit! In der Nacht sanken die Temperaturen bis auf minus 4 Grad . Für meinen Geschmack im Vergleich zu den vorherigen Nächten schon ein wenig zu heftig. Wie würde sich der kleine Temperatursturz bei den Hechten bemerkbar machen. Wird er den herbstbedingten Fressreiz auslösen oder lässt er so manchen Fisch eher träge als nichtbeißenden Nachläufer enden. Die windstille und der wolkenlose Himmel ließ eine hohe Hechtaktivität mit der stark einsetzenden Sonnenstrahlung verkünden. Und so war es auch. Man konnte sich förmlich die Uhr nach dem eintreffenden  Beißverhalten der Hechte stellen:

Das Warten hat sich gelohnt , mehrere schöne Hechte hatten sich an meinem jerk vergriffen. Wobei der größte nur sehr sehr knapp die Metermarke verfehlte.

 

von Svenne, Nov.2009

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